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AHV | Die Selbstständigerwerbenden

In der Sozialversicherung gilt als selbstständig erwerbend, wer

  • unter eigenem Namen und auf eigene Rechnung arbeitet sowie
  • in unabhängiger Stellung ist und das wirtschaftliche Risiko selbst trägt.

Ob eine versicherte Person im Sinne der AHV selbstständig erwerbend ist, wird von der Ausgleichskasse im Einzelfall geprüft. Folgende Kriterien sprechen für eine selbstständige Erwerbstätigkeit:

  • Selbstständigerwerbende treten nach aussen mit eigenem Firmennamen auf. Sie verfügen über eine eigene Infrastruktur und stellen in eigenem Namen Rechnung, tragen das Inkassorisiko und rechnen unter Umständen die Mehrwertsteuer ab.
  • Sie tragen ihr eigenes wirtschaftliches Risiko. Sie entscheiden selbst, wie sie sich organisieren, wie sie arbeiten und ob sie Arbeiten an Dritte weitergeben. Zudem sind Selbständigerwerbende stets für mehrere Auftraggeber tätig. Somit ist eine Buchhalterin, die lediglich für eine Firma Buchhaltungsarbeiten ausführt, nicht selbstständig erwerbend. Ebenfalls ist ein Agent nicht selbstständig erwerbend, wenn er seine Arbeit in den Geschäftsräumen des Auftraggebers resp. Arbeitgebers/der Arbeitgeberin ausübt und ausschliesslich für diese/-n tätig ist.

Zusammenarbeit mit Selbstständigerwerbenden

Wer im Betrieb mit Selbstständigerwerbenden arbeiten will, vergewissert sich aus eigenem Interesse bei der Ausgleichskasse, ob die Person für diese Tätigkeit AVH-rechtlich auch als selbstständig erwerbend qualifiziert ist. Ansonsten besteht das Risiko, dass nachträglich nebst dem Entgelt noch die vollen AHV-Beiträge bezahlt werden müssen.

Berechnungsgrundlage AHV

Bei Selbstständigerwerbenden dient das im Beitragsjahr erzielte Einkommen als Berechnungsgrundlage für die AHV (= von der Steuerbehörde gemeldetes Einkommen).

Die Ausgleichskasse zieht jedoch vom Einkommen einen Zins auf dem Eigenkapital ab, das in den Betrieb investiert wurde, und fügt die AHV/IV/EO-Beiträge nach folgender Formel hinzu:

Nettoeinkommen zinsbereinigt x 100

_______________________________________________

(100 - Beitragssatz AHV/IV/EO, anwendbar auf bereinigtes Einkommen)

Das Ergebnis wird für die Berechnung des Beitrages auf die nächsten 100 Franken abgerundet. Zum Beispiel: Johanna R. ist Inhaberin eines Schneiderateliers. Die Versicherte hat für Einrichtungsgegenstände und Apparate in ihrem Geschäft Fr. 27 000.- investiert. Mit einem Zinssatz von 1,0% beläuft sich das zinsbereinigte Nettoeinkommen auf Fr. 57 790.-. Die AHV/IV/EO-Beiträge werden von den Steuern nicht berücksichtigt, weshalb sie die Ausgleichskasse hinzurechnet [(Fr. 57 790.- x 100): (100 - 9,65] und das Ergebnis auf die nächsten 100 Franken abrundet. Sie bezahlt somit AHV-Beiträge in der Höhe von Fr. 6166.35.

Johanna R. wird so veranlagt

Nettoeinkommen (= Einkommen gemäss Steuerbehörde)

Fr. 58 060.-

- 1,0% auf den Investitionen von Fr. 27 000.-

Fr. 270.-

Zinsbereinigtes Nettoeinkommen

Fr. 57 790.-

Zinsbereinigtes Nettoeinkommen, auf das die persönlichen AHV/IV/EO-Beiträge hinzugerechnet werden

Fr. 63 962.-

AHV-Berechnungsgrundlage (auf die nächsten 100 Franken abgerundet)

Fr. 63 900.-

 AHV/IV/EO-Beiträge: 9,65%

Fr. 6166.35

Im Unterschied zu Angestellten müssen Selbständigerwerbende ihre Sozialversicherungsbeiträge in ganzer Höhe selbst bezahlen. Der Beitrag liegt bei 9,65 Prozent vom im Beitragsjahr erzielten Einkommen. Für Einkommen unter Fr. 56 400.- (Stand 1.1.2016) gilt eine abnehmende Beitragsskala, die von 9,155 Prozent bis 5,196 Prozent reicht. Diese tieferen Beiträge für Selbstständigerwerbende haben keine Auswirkung auf die Leistungen, denn versichert ist das Einkommen.

Beiträge für Verdienste über Fr. 56 400.-

AHV

7,8%

IV

1,4%

EO

0,45%

Total

9,65%

Während des Beitragsjahres müssen die Selbstständigerwerbenden Akontobeiträge leisten. Diese werden von der Ausgleichskasse festgesetzt. Sobald die Steuermeldung eintrifft, setzt die Ausgleichskasse die Beiträge definitiv fest und sie nimmt einen Ausgleich zwischen den geleisteten Akontobeiträgen und den tatsächlich geschuldeten Beiträgen vor. Stellt die beitragspflichtige Person während oder nach dem Beitragsjahr fest, dass die entrichteten Akontobeiträge wesentlich vom tatsächlich geschuldeten Betrag abweichen, so hat sie dies unverzüglich der Ausgleichskasse mitzuteilen. Zu tiefe Akontobeiträge können zu Verzugszins führen.

Desgleichen riskiert, wer die Abgabe der Steuererklärung hinausschiebt, sodass der richtige Betrag erst nach Jahren ermittelt werden kann.

Beiträge auf Einkommen bis 9400 Franken

Erzielt ein Selbstständigerwerbender ein Jahreseinkommen von bis zu 9400 Franken und legt dar, dass der Mindestbeitrag von 479 Franken auf dem Einkommen aus einer im gleichen Jahr ausgeübten unselbstständigen Erwerbstätigkeit bereits bezahlt wurde, kann die Person beantragen, dass die auf diesen Einkommen geschuldeten Beiträge zum tiefsten Satz der sinkenden Beitragsskala erhoben werden.


Letzte Änderung: 06.01.2016

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