Vaterschaftsurlaub

Väter sollen innerhalb von sechs Monaten ab Geburt eines Kindes zwei Wochen bezahlten Urlaub beziehen können. Finanziert werden soll der Vaterschaftsurlaub wie die Mutterschaftsentschädigung über die Erwerbsersatzordnung (EO). Dies sieht der indirekte Gegenvorschlag zur Volksinitiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie» vor. Dagegen ist das Referendum ergriffen worden. Die Volksabstimmung findet am 27. September 2020 statt.    

Ausgangslage

In der Schweiz besteht kein im Bundesrecht geregelter Anspruch auf einen Vaterschaftsurlaub. Der Vater kann bei der Geburt seines Kindes im Rahmen der "üblichen freien Tage" (Art. 329 Abs. 3 Obligationenrecht) Anspruch auf einen Urlaub geltend machen. Heute werden dem Vater meist ein bis zwei Urlaubstage gewährt. Einzelne Branchen oder Unternehmen sehen einen Vaterschaftsurlaub vor. Die Dauer und Entschädigung dieser Urlaube variieren.

Volksinitiative und indirekter Gegenvorschlag zum Vaterschaftsurlaub

Die Volksinitiative „Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie“ ist Anfang August 2017 zustande gekommen. Sie verlangt, dass alle erwerbstätigen Väter mindestens vier Wochen Vaterschaftsurlaub beziehen können und während ihrer Abwesenheit einen Erwerbsersatz erhalten.

Bundesrat und Parlament lehnen die Initiative ab. Das Parlament hat einen indirekten Gegenvorschlag für einen bezahlten Vaterschaftsurlaub ausgearbeitet und im September 2019 mit folgenden Eckwerten verabschiedet: 

  • Vaterschaftsurlaub von zwei Wochen;
  • zu beziehen in den ersten sechs Monaten nach der Geburt des Kindes (tageweiser Bezug möglich);
  • mit arbeitsrechtlichen Regelungen im Obligationenrecht;
  • Regelung der Entschädigung in der Erwerbsersatzordnung.

Die Entschädigung für den Erwerbsausfall soll gleich hoch sein wie in der bestehenden Mutterschaftsversicherung: 80 Prozent des durchschnittlichen Erwerbseinkommens, das der Vater vor der Geburt des Kindes erzielt hat, höchstens aber 196 Franken pro Tag. Die Kosten für den indirekten Gegenvorschlag würden sich auf rund 230 Millionen Franken pro Jahr belaufen.

Die Volksinitiative wurde am 7.10.2019 bedingt zurückgezogen. "Bedingt" bedeutet:

  • Wenn der indirekte Gegenvorschlag am 27.09.2020 durch das Volk angenommen wird, kann der Bundesrat die neuen Bestimmungen in Kraft setzen.
  • Wenn der indirekte Gegenvorschlag abgelehnt wird, unterbreitet der Bundesrat die Volksinitiative zur Abstimmung. Das Initiativkomitee kann die Initiative vorher definitiv zurückziehen. 
 
 
 

Medienmitteilungen

Letzte Änderung 30.07.2020

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