Leistungen

Die Invalidenversicherung bezweckt die Eingliederung resp. Wiedereingliederung von Personen, die wegen Geburtsgebrechen, Krankheits- oder Unfallfolgen im Ausüben Ihrer Erwerbstätigkeit oder bei der Tätigkeit im Aufgabenbereich (z. B. im Haushalt) eingeschränkt. sind. Eine eintretende oder drohende Invalidität soll mit geeigneten einfachen und zweckmässigen Eingliederungsmassnahmen verhindert, vermindert oder behoben werden.

Eine Rentenzahlung erfolgt erst, wenn eine Ein- oder Wiedereingliederung ins Erwerbsleben nicht vollständig oder gar nicht möglich ist. Der Grundsatz der Eingliederung geht somit einer Rentenzahlung klar vor.

Mit der Gewährung einer Hilflosenentschädigung oder eines Assistenzbeitrags soll schliesslich eine verantwortliche und selbstbestimmte Lebensführung der leistungsberechtigten Person erleichtert werden. 

Die Beitragspflicht ist obligatorisch; die Beitragserhebung erfolgt zusammen mit der AHV-Abrechnung.

Mit der Weiterentwicklung der IV wurde das System der Invalidenversicherung ausgebaut, eine Invalidität zu verhindern und die Eingliederungsmöglichkeiten weiter gestärkt. Im Zentrum stehen die intensivere Begleitung und Steuerung bei Geburtsgebrechen, die gezielte Unterstützung von Jugendlichen beim Übergang ins Erwerbsleben und der Ausbau der Beratung und Begleitung von Menschen mit psychischen Gesundheitsstörungen.Damit die Wirkung der spezifischen, auf die Zielgruppen ausgerichteten Massnahmen verstärkt werden kann, werden die für die Eingliederung wichtigsten Akteure, nämlich die Arbeitgebende und behandelnde Ärztinnen und Ärzte besser in das Abklärungsverfahren mit einbezogen.

Versicherungsmässige Voraussetzungen für die Zusprache von Leistungen der IV

Leitfaden und Kurzcheck

Für den Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (IV) müssen sowohl materielle als auch formelle Voraussetzungen erfüllt sein. Bei den formellen Voraussetzungen handelt es sich um die sogenannten versicherungsmässigen Voraussetzungen (vmV). Der vorliegende Leitfaden sowie der Kurzcheck vermitteln einen Überblick über die versicherungsmässigen Voraussetzungen für Leistungen der Invalidenversicherung und sollen die Beantwortung praktischer Fragen beim Vollzug des IVG erleichtern.

Der Begriff «Invalidität»

Gemäss dem Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (in Kraft seit dem 1. Januar 2003) gilt als Invalidität «die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit». Darunter wird «der durch eine gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt» verstanden. Der Erwerbsunfähigkeit ist die Unfähigkeit, sich im bisherigen Aufgabenbereich (z.B. Tätigkeit im Haushalt, Kindererziehung, Ausbildung) zu betätigen, gleichgestellt. Damit eine Invalidität angenommen werden kann, müssen somit drei Elemente vorliegen: ein Gesundheitsschaden, es spielt keine Rolle, ob der Gesundheitsschaden Folge eines Geburtsgebrechens, einer Krankheit oder eines Unfalles ist, der sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt (medizinisches Element), eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit (wirtschaftliches Element) sowie ein kausaler Zusammenhang zwischen diesen beiden Elementen.

Die versicherte Person hat in erster Linie Anspruch auf Leistungen, welche die durch den Gesundheitsschaden verursachte Beeinträchtigung vermindern, beseitigen (bestimmte medizinische Massnahmen) oder deren Auswirkungen mildern (Massnahmen beruflicher Art, Hilfsmittel). Der Anspruch auf Renten besteht erst in zweiter Linie.

Die im Rahmen der Weiterentwicklung der IV verstärkte Beratung und Begleitung vertieft die Beratungsleistungen, die die IV-Stelle im Rahmen der Fallführung erbringt. Die Leistungsbeziehenden und ihre Arbeitgebende haben Anspruch auf diese dauerhafte und kontinuierliche Leistung der IV. Dadurch soll ein verbindlicher Kontakt zwischen der versicherten Person und der IV-Stelle vor, während und zwischen den Eingliederungsmassnahmen hergestellt werden. Auch während der Rentenprüfung und bis zu drei Jahre nach der letzten Eingliederungsmassnahme oder der Herabsetzung oder Aufhebung der Rente besteht ein Anspruch auf Beratung und Begleitung.

Eingliederungsmassnahmen

Gezielte Eingliederungsmassnahmen sollen die die unterstützten Personen soweit fördern, dass sie ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise aus eigener Kraft bestreiten und ein grösstmögliches Mass an Unabhängigkeit erreichen können. Durch die Unterstützung und Stärkung des Selbstbehauptungswillens und des Bewusstseins, in die Gesellschaft integriert zu sein, gewinnen sie dabei die Möglichkeit einer eigenen, freien Lebensgestaltung.

Von einer Invalidität betroffene oder bedrohte Versicherte haben Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wiederherzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Dabei ist die gesamte noch zu erwartende Arbeitsdauer zu berücksichtigen.

Medizinische Massnahmen

Die IV übernimmt alle zur Behandlung eines Geburtsgebrechens notwendigen medizinischen Massnahmen und zwar ohne Rücksicht auf die künftige Erwerbsfähigkeit. Die als Geburtsgebrechen anerkannten Leiden, für die ein Anspruch auf IV-Leistungen besteht, sind in einer Verordnung abschliessend aufgeführt. 

Geburtsgebrechen der IV

Die IV übernimmt auch die Kosten für medizinische Massnahmen, die unmittelbar auf die Eingliederung in die obligatorische Schule, in die berufliche Erstausbildung, ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich gerichtet sind. Die IV übernimmt folgende Massnahmen:

  • die ambulante oder stationäre ärztliche Behandlung auf der allgemeinen Abteilung
  • die Behandlung durch medizinische Hilfspersonen (z. B. Physiotherapie)
  • anerkannte Arzneimittel
  • Behandlungsgeräte 

Medizinische Massnahmen werden bis zum vollendeten 20. Altersjahr von der IV übernommen. Versicherte, die im Zeitpunkt der Vollendung ihres 20. Altersjahres an Massnahmen beruflicher Art teilnehmen, haben bis zum Ende dieser Massnahmen, höchstens aber bis zum vollendeten 25. Altersjahr, Anspruch auf medizinische Eingliederungsmassnahmen.

Abgabe von Hilfsmitteln

Die IV gibt  Hilfsmittel ab, die für die Ausübung, die Erhaltung oder die Verbesserung einer Erwerbstätigkeit, einer Tätigkeit in einem Aufgabenbereich (z.B. im Haushalt), für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung oder funktionellen Angewöhnung notwendig sind.

Die Hilfsmittel, auf die eine Anspruch besteht, sind in einer Verordnung abschliessend aufgeführt.

Zur Fortbewegung, zur Herstellung des Kontakts mit der Umwelt oder zur Selbstsorge werden Hilfsmittel ohne Rücksicht auf die Erwerbstätigkeit abgegeben.

Früherfassung und Frühintervention

Mit dem Instrument der Früherfassung sollen Personen, die arbeitsunfähig sind oder denen eine Arbeitsunfähigkeit droht, frühzeitig erfasst werden, um eine Invalidität zu verhindern oder zu mildern. Die Frühintervention soll es ermöglichen, rasch und unbürokratisch erste Massnahmen einzuleiten, damit ganz oder teilweise arbeitsunfähige Personen ihren bestehenden Arbeitsplatz behalten oder an einem neuen Arbeitsplatz eingegliedert werden können.

Die Früherfassung

Ist ein versicherte Person seit mindestens 30 Tagen arbeitsunfähig oder innerhalb eines Jahres immer wieder gesundheitsbedingt vom Arbeitsplatz abwesend, kann er bei der IV zur Früherfassung gemeldet werden. Meldeberechtigt sind die versicherte Person oder ihr gesetzlicher Vertreter, die mit der versicherten Person in gemeinsamem Haushalt lebenden Familienmitglieder, der Arbeitgebende, behandelnde Ärzte/Ärztinnen, die beteiligten Sozial- und Privatversicherungen sowie die Sozialhilfe. Die versicherte Person muss vorgängig über die Meldung informiert werden. Das Meldeformular ist bei den kantonalen IV-Stellen und den Ausgleichskassen erhältlich oder kann vom Internet heruntergeladen werden. Die IV-Stelle prüft, ob ein Invalidisierungsrisiko besteht und kann dazu die versicherte Person zu einem Früherfassungsgespräch einladen. Sie teilt ihr anschliessend schriftlich mit, ob eine Anmeldung bei der IV angezeigt ist.

Zur Früherfassung können folgende Personen sich melden oder gemeldet werden:

  • Minderjährige ab dem vollendeten 13. Altersjahr und junge Erwachsene bis zum vollendeten 25. Altersjahr, die von Invalidität bedroht sind, noch keine Erwerbstätigkeit ausgeübt haben und von einer kantonalen Instanz nach Artikel 68bis Absätze 1bis und 1ter IVG betreut werden;
  • arbeitsunfähige oder von Arbeitsunfähigkeit bedrohte Personen (Art. 6 ATSG).

Die Frühintervention

Nach Eingang der IV-Anmeldung können Fachleute der IV-Stellen rasch und unkompliziert Frühinterventionsmassnahmen einleiten, damit die betroffene Person nach Möglichkeit den bestehenden Arbeitsplatz behalten oder an einem neuen wieder eingegliedert werden kann. 

Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen dienen die Massnahmen der Frühintervention auch dazu, den Eintritt in eine erstmalige berufliche Ausbildung zu unterstützen.Ein rasches Eingreifen kann unter Umständen der Verschlechterung des Gesundheitszustandes vorbeugen und verhindern, dass Menschen vollständig oder teilweise aus dem Arbeitsprozess ausscheiden.

Bevor die Massnahmen verfügt werden, führt die IV eine Bestandsaufnahme durch, allenfalls unter Einbezug des Arbeitgebenden und/oder anderer Partner (Schule, Arbeitslosenversicherung, Unfallversicherer, Taggeldversicherer, Sozialhilfe usw.). Aufgrund dieser Bestandsaufnahme wird ein für die Parteien verbindlicher Eingliederungsplan erstellt. Innert zwölf Monaten nach Eingang der Anmeldung wird ein Grundsatzentscheid gefällt.

Die IV-Stellen können folgende Massnahmen anordnen:

während der obligatorischen Schulzeit:

  • Berufsberatung
  • Arbeitsvermittlung (Unterstützung bei der Suche eines Ausbildungsplatzes)

Für jugendliche und nach der obligatorischen Schulzeit und für Erwachsene:

  • Anpassung des Arbeitsplatzes
  • Ausbildungskurse
  • Arbeitsvermittlung
  • Berufsberatung
  • sozialberufliche Rehabilitation
  • Beschäftigungsmassnahmen
  • Beratung und Begleitung

Die Frühintervention dauert ab Einreichung der IV-Anmeldung und endet mit dem Grundsatzentscheid, welcher festhält, ob der Eingliederungsweg eingeschlagen werden kann oder ob die Rentenfrage zu prüfen ist. Um diesen Grundsatzentscheid fällen zu können, werden parallel zur Frühintervention die Anspruchsvoraussetzungen auf Eingliederungsmassnahmen geprüft. Während der Dauer der Frühintervention richtet die IV in der Regel kein Taggeld aus. Es besteht kein Rechtsanspruch auf Massnahmen der Frühintervention.

Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung

Die Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (Art. 14a IVG) schliessen die Lücke zwischen sozialer und beruflicher Integration und sind im Besonderen für Versicherte bestimmt, die infolge psychisch bedingter Probleme eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausweisen. 
Anspruch haben Versicherte, die 

  • Personen, die seit mindestens sechs Monaten zu mindestens 50 % arbeitsunfähig sind; 
  • Jugendliche unter 25 Jahre alt, die noch nicht erwerbstätig waren und von einer Invalidität bedroht sind.

Die Integrationsmassnahmen werden in drei Kategorien unterteilt: 

  • Massnahmen zur sozial-beruflichen Rehabilitation
    Diese Massnahmen ermöglichen die Schulung von Fähigkeiten wie Angewöhnung an den Arbeitsprozess, soziale Eingliederung und Motivation. Diese Fähigkeiten werden vor allem durch, Aufbautraining und Arbeitstraining. Die Teilnahme an diesen Massnahmen setzt ein Eingliederungspotenzial voraus.

  • Beschäftigungsmassnahmen
    Die Beschäftigungsmassnahmen dienen dem Erhalt der Arbeitsfähigkeit und der Tagesstruktur bis zum n Beginn von beruflichen Massnahmen oder dem Antritt einer neuen Stelle in den ersten Arbeitsmarkt.

  • Integrationsmassnahmen für Jugendliche
    Integrationsmassnahmen für Jugendliche bereiten Personen unter 25 Jahren nach der obligatorischen Schulzeit insbesondere auf die erstmalige berufliche Ausbildung vor.

Massnahmen beruflicher Art

Der Leitsatz der Invalidenversicherung «Eingliederung vor Rente» ist Zielsetzung und Instrument zugleich. Bevor die IV-Stelle die Prüfung der Rente in Angriff nimmt, muss die Möglichkeit einer (Wieder-)Eingliederung abgeklärt sein. 
Die Palette möglicher beruflicher Eingliederungsmassnahmen sowie akzessorischer Leistungen umfasst: 

  • Berufsberatung
  • erstmalige berufliche Ausbildung
  • berufliche Weiterausbildung
  • Umschulung
  • Arbeitsvermittlung
  • Arbeitsversuch
  • Personalverleih
  • Kapitalhilfe
  • Taggeld- und Reisekostenvergütung 

Nach Artikel 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung hat der arbeitsunfähige, aber eingliederungsfähige Versicherte Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes oder im Hinblick auf die Aufrechterhaltung des vorhandenen Arbeitsplatzes.

Nach erfolgter Vermittlung kann dem Arbeitgeber während der Einarbeitungsphase ein Einarbeitungszuschuss gewährt werden. Ausserdem kann die IV den Arbeitgeber für allfällige Beitragserhöhungen der obligatorischen beruflichen Vorsorge und der Krankentaggeldversicherung als Folge erneuter Arbeitsunfähigkeit einer versicherten Person entschädigen.

Massnahmen zur Wiedereingliederung Art. 8a IVG

Zur Verbesserung der Erwerbsfähigkeit der IV-Rentnerinnen und -Rentner können jederzeit Massnahmen zur Wiedereingliederung umgesetzt werden. Dazu gehören dieselben Massnahmen wie bei der Eingliederung ohne Rente. Die versicherte Person und, falls vorhanden, der Arbeitgebende, haben zudem Anspruch auf Beratung und Begleitung. Diese werden während der Rentenrevision und während der Teilnahme an Massnahmen gewährt und kann bis zu drei Jahre nach Herabsetzung oder Aufhebung der Rente zugesprochen werden.

Taggelder als akzessorische Leistung

Versicherte haben während der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen Anspruch auf ein Taggeld, wenn sie an wenigstens drei aufeinander folgenden Tagen wegen der Eingliederung verhindert sind, einer Arbeit nachzugehen, oder in ihrer gewohnten Tätigkeit zu mindestens 50 Prozent arbeitsunfähig sind. 

Das Taggeld besteht aus einer Grundentschädigung in der Höhe von 80% des zuletzt ohne gesundheitliche Einschränkung erzielten Einkommens, auf die alle Versicherten Anspruch haben. Versicherte mit Kindern erhalten ausserdem ein Kindergeld, sofern sie nicht schon eine Kinder- oder Ausbildungszulage zu einem Erwerbseinkommen erhalten.

Anspruch auf ein Taggeld haben Versicherte, die mindestens 18 Jahre alt sind und die vor der Arbeitsunfähigkeit entweder erwerbstätig waren oder mit Unterstützung der IV eine erstmalige berufliche Ausbildung absolvieren. 

Personen, die während der erstmaligen beruflichen Ausbildung eine allgemeinbildende Schule besuchen oder eine berufliche Grundbildung absolvieren, die ausschliesslich an einer Schule erfolgt, haben keinen Anspruch auf ein Taggeld. 
Ebenso wird kein Taggeld ausgerichtet bei der Teilnahem von medizinischen Massnahmen oder Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung.

Während der Dauer der Durchführung von Massnahmen zur Wiedereingliederung wird anstelle einer Taggeldentschädigung weiterhin eine Rente ausgerichtet. In gewissen Fällen kann ein Taggeld der IV ausbezahlt werden.

Geldleistungen

Diese werden in Form von Renten, Hilflosenentschädigungen oder den Assistenzbeitrag ausgerichtet.

Invalidenrente

Eine Invalidenrente wird nur zugesprochen, wenn zuerst die Möglichkeit einer Eingliederung geprüft wurde. Der Invaliditätsgrad bestimmt, auf welche Rente eine versicherte Person Anspruch hat.Ein Invaliditätsgrad von mindestens 40% gibt Anspruch auf eine 25 % IV-Rente. Bei einem Invaliditätsgrad von mehr als 40 % und weniger als 50 % gelten besondere Prozentsätze für den Leistungsanspruch.Bei einem Invaliditätsgrad von 50 bis 69 % entspricht der prozentuale Anteil des Rechtsanspruchs demjenigen des Invaliditätsgrades (Beispiel: ein IV-Grad von 50 % führt zu einer IV-Rente von 50 %.Bei einem Invaliditätsgrad von 70 – 100% wird eine ganze IV-Rente ausbezahlt.

Anspruch auf eine Invalidenrente besteht, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Sie können ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern.
  • Die versicherte Person war während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40% arbeitsunfähig.
  • Nach Ablauf des Jahres besteht eine Erwerbsunfähigkeit von 40% oder mehr.

Der Anspruch auf eine Rente entsteht frühestens sechs Monate nach dem Zeitpunkt der Anmeldung bei der IV, aber frühestens in jenem Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt.

Hilflosenentschädigung

Die Hilflosenentschädigung soll Menschen mit einer Behinderung eine unabhängige Lebensführung ermöglichen. Sie sind bestimmt für versicherte Personen, die wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen (Ankleiden, Essen, Körperpflege usw.) dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedürfen.

Hilflose Minderjährige können ebenfalls eine Hilflosenentschädigung erhalten. Im ersten Lebensjahr entsteht der Anspruch, sobald voraussichtlich während mehr als 12 Monaten eine Hilflosigkeit besteht.

Für Minderjährige, die ein zeitliches Mindestmass (4 Stunden) an intensiver Betreuung brauchen, wird unter bestimmten Voraussetzungen ein Intensivpflegezuschlag ausgerichtet. Der Intensivpflegezuschlag für Minderjährige richtet sich nach dem Betreuungsaufwand, der im Vergleich zu einem gleichaltrigen, nicht behinderten Kind erforderlich ist. Dieser Zuschlag entfällt bei einem Aufenthalt in einem Heim.

Als hilflos gelten auch volljährige Versicherte, die zu Hause leben und dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen sind. Das heisst, sie sind aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigung

  • nicht in der Lage, ohne die Begleitung einer Drittperson selbständig zu wohnen,
  • für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf die Begleitung einer Drittperson angewiesen, oder
  • ernsthaft gefährdet, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.

Nur Bezügerinnen und Bezüger von mindestens einer Viertelsrente haben Anspruch auf diese Art von Hilflosenentschädigung. Zudem werden Hilflosenentschädigungen nur an Personen ausgerichtet, die in der Schweiz wohnen. Der Anspruch auf Hilflosenentschädigung der IV entfällt, wenn Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung der obligatorischen Unfallversicherung oder Militärversicherung besteht.

Die IV unterscheidet drei Graden der Hilflosigkeit: leicht, mittel und schwer. Die Entschädigung ist unterschiedlich hoch, je nachdem, ob die Versicherten im Heim oder im eigenen Zuhause wohnen, wobei die Hilflosenentschädigung für Versicherte, die sich in einem Heim aufhalten, ein Viertel der Ansätze für Versicherte zu Hause beträgt.

Assistenzbeitrag

Der Assistenzbeitrag ermöglicht es Bezügerinnen und Bezüger einer Hilflosenentschädigung, die auf regelmässige Hilfe angewiesen sind, aber dennoch zu Hause leben möchten, eine Person einzustellen, welche die erforderlichen Hilfeleistungen erbringt. Eine versicherte Person hat Anspruch auf einen Assistenzbeitrag, wenn sie

  • eine Hilflosenentschädigung der IV beziehen und zu Hause lebt. 

Wenn die versicherte Person im Heim wohnt und beabsichtigt, aus dem Heim auszutreten, kann sie ebenfalls ein Leistungsgesuch bei der IV-Stelle einreichen.

Auch Minderjährige und beschränkt handlungsfähige Personen haben unter zusätzlichen Voraussetzungen ebenfalls Anspruch auf einen Assistenzbeitrag.

Letzte Änderung 21.01.2022

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